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  SIBIEN: Wodurch gab es so viel Karies?
DR. KARLHEINZ BERGMANN: So umstritten es auch sein mag, die Fluoridierung hat die Karies bekämpft. Wenn ich heute bei Kindern wieder Karies in den Zähnen sehe, dann nur bei den Asylanten.
Ich gehe davon aus, dass man sich früher die Zähne wenig putzte. Durch die Aufklärung und bessere Zahnpflege, ging die Karies zurück. Es gab früher eine Statistik anhand der verkauften Zahnbürsten. Wenn man eine Zahnbürste fachgerecht benutzt, sich also dreimal täglich zwei Minuten die Zähne putzt, hält eine Zahnbürste ca. sechs Wochen. Dann muss sie ausgetauscht werden. Das macht nicht jeder, früher jedoch noch weniger. Man konnte hoch­rech­nen, dass sich ca. nur 30% die Zähne putzten!

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Dass die Zahnerhaltung sich besserte, ist angelehnt an die Schweiz. Dort wurde über viele Jahre das Trinkwasser fluoridiert.
SIBIEN: Wenn ich davon ausgehe, dass ich in erster Linie die Essensreste beseitigen muss, geht das auch nur mit einer Zahnbürste ohne Zahnpasta.
DR. KARLHEINZ BERGMANN: Ja, mit Wasser und einer Bürste. Man hat untersucht, dass man mit einer Zahnpasta ca. drei Minuten braucht um 70 bis 80% der Belege zu entfernen. Es bleibt immer ein Restbestand von Bakterien übrig. Durch die Mittel in den Zahncremes wird weitgehend der Rest eliminiert. Wollte man das gleiche Ergebnis ohne Zahnpasta erzielen bräuchte man mehr als eine ¼ Stunde Putzzeit.
SIBIEN: Welchen Effekt bewirkt jetzt eine Zahnpasta?
DR. KARLHEINZ BERGMANN: Beim Thema Zahnpasta blicken auf hunderte von Wirkstoffen, die dazu beitragen, dass die Zähne gepflegt werden. Grundlage jeder Zahnpasta ist der Schleif­kör­per, wie z.B. Schlämmkreide oder Sand. Marmorpulver nahm man teilweise auch einmal. Jetzt verwendet man teilweise Nanopartikel. Warum ging man von diesen natürlichen Stoffen weg? Wenn man Sand oder auch Schlämmkreide unter einem Mikroskop betrachtet, sieht man kristalline Strukturen. Man will zwar Beläge wegreiben, aber die Zahnsubstanz nicht be­schä­digen.
Betrachtet man den Aufbau eines Zahnes, sieht man, dass der Bereich, der aus dem Zahnfleisch ragt, mit einem Zahnschmelz überzogen ist. Zahnschmelz, also Hydroxylapatit, besteht aus 95% Kalziumphosphaten. Hier kommt der Effekt des Fluors zum Tragen. Unterhalb des Zahnfleisches ist keine Schmelzschicht mehr, sondern nur noch das Dentin, das Zahnbein. Im Dentin ist der Anteil der organischen Anteile höher. Im Zahnschmelz ist kaum noch organische Substanz.
SIBIEN: Wie dick ist der Zahnschmelz?
DR. KARLHEINZ BERGMANN: Das ist sehr unterschiedlich und variiert von Mensch zu Mensch. Er ist immer von der Zahngröße abhängig. Der Zahnschmelz kaut sich im Laufe des Lebens langsam ab.
Den Zahnhals durchziehen hunderte von kleinen Nerven und gehen bis an den Rand des Zahnbeins bzw. nur bis zur Schmelzgrenze. Sobald der Zahnschmelz weggebrochen oder weggekaut ist, wird der Zahn empfindlich. Unterhalb der Zahnfleischgrenze ist der Zahn hochsensibel. Mit Sand oder Schlämmkreide schleift man den Zahnschmelz sehr schnell weg. Je kürzer die Putzdauer ist, desto besser ist es für den Erhalt des Zahnes. Da elektrische Zahnbürsten eine hohe Putzfrequenz haben, empfehle ich bei dieser Anwendung eine Zahncreme ohne aggressive Schleifmittel. Bei Benutzung der Bürste hätte man bei gleichen Zahncremes eine schlechte Reinigung.
Warum putzt man eigentlich die Zähne? Der Schmelz schützt den Zahn ganz gut. Wenn sich zwischen den Zähnen und dem Zahnfleisch Reste absetzen und nicht entfernt werden, fangen sie an sich zu zersetzen und es bilden sich Bakterienkulturen. Es kommt in der Folge zu Entzündungen am Zahnfleisch.
Der Zahnschmelz hat jedoch auch seine Schwachstelle. Die Säuren, die sich im Mund bilden greifen den Zahnschmelz an, da er ja aus Kalziumsalzen besteht. Sie lösen die Bestandteile heraus. Zucker entwickelt sich z.B. sofort zu Säure.
Man kann z.B. einmal das Experiment machen, indem man einen gezogenen Zahn ein paar Tage in Zitronensaft legt. Dann kann man die Oberfläche von dem Zahn als schleimige Masse wegwischen. Das ist auch ein Grund warum man nach dem Genuss von Zitrusfrüchten NICHT sofort die Zähne putzen darf! Man sollte mindestens ½ bis ¾ Stunde damit warten, weil die Säure sofort die äußerste Schicht des Schmelzes aufweicht. Mit der Zahnbürste würde sonst diese aufgeweichte Schicht weggewischt. Im Speichel sind Bestandteile enthalten, die die Säureanteile wieder beseitigen und die Säure neutralisieren.
SIBIEN: Würde das bedeuten, dass ich immer, wenn ich etwas aß, erst ½ Stunde warten sollte und mir dann erst die Zähne putze?
DR. KARLHEINZ BERGMANN: Durch unser normales Essen ist die Gefahr nicht so groß. Bis sich die entsprechenden Be­stand­teile in Säuren umwandeln dauert es zu lange.  

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